Intestinale Candidose – eine Infektion mit vielen Gesichtern (Teil 1)

   
 

Es geht heute um Pilze. Über Pilze habe ich schon einmal geschrieben. Damals ging es um bestimmte Medizinalpilze und ihre heilenden Wirkungen. Heute geht es um ganz andere Pilze, um solche, die krank machen können. Es geht um Hefepilze, um Candida-Hefen.

In der Naturheilkunde wird den Candida-Hefen schon seit langem große Beachtung geschenkt. Bei verschiedensten Erkrankungen und deren Behandlungen spielen sie eine Rolle. In der Schulmedizin vollzieht sich gerade ein Wandel. Lange Zeit wurde die Besiedlung des Darms mit Hefepilzen nicht sonderlich ernst genommen. Litt der/die Patient/in nicht an anderen schweren Erkrankungen, waren Pilze im Darm, falls überhaupt nach ihnen gesucht wurde, kein Grund zur Besorgnis. Das ändert sich in jüngster Zeit (vgl. Deutsches Ärzteblatt, 2009, 106/ 51-52). Es mehren sich Stimmen, die darauf hinweisen, dass das eine oder andere Beschwerdebild durch den vermehrten Befall des Darms mit Hefepilzen hervorgerufen, verstärkt oder unterstützt werden könnte. Die Naturheilkunde begrüßt diesen Meinungswandel, wird so doch wieder Forschung angestoßen, von der auch sie profitieren kann.

Für mich galt bislang stets ein Plau- sibilitätsargument: Schafft es eine Candida-Hefe, auf der Haut oder der Schleimhaut lokale Gewebsschädigungen hervorzurufen (z.B. Windel- dermatitis, Mundsoor oder Vaginitis), so ist es nicht unwahrscheinlich, dass diese Pilze unter bestimmten Umständen auch im Darm lokal oder systemisch Schaden anrichten können. Die Naturheilkunde geht davon aus und behandelt aufgrund umfangreichen Erfahrungswissens entsprechend.

Ich habe meinen Beitrag zur intestinalen (zum Darm gehörenden) Candidose in zwei Teile getrennt. In dieser Aus- gabe des „Tübingen im Fokus“ werde ich zunächst auf Fragen nach der Eigenart des Pilzes, nach möglichen Infektionen und deren Symptomen eingehen. Naturheilkundliche Diagnosen und Therapien werde ich im zweiten Teil besprechen.

 

Was und wo sind eigentliche Hefepilze?

Hefepilze sind mikroskopisch kleine Lebewesen. Sie haben nichts mit Schimmelpilzen in feuchten Wohnungsecken und schon gar nichts mit Speisepilzen aus dem Wald zu tun. Sie gehören zu den Schlauchpilzen, zur Gattung Candida. Diese umfasst inzwischen schon mehr als hundert Unterarten. Am bekanntesten sind die Candida glabrata, die Candida parapsilosis, die Candida dubliniensis und die Candida ablicans.

Candida-Hefen besiedeln nur Warm- blüter. Das heißt, sie brauchen einen Wirt (Mensch oder Tier) mit einer Körpertemperatur so um die 37 Grad Celsius. Hefen sind Schmarotzer (sie entnehmen einem anderen Organismus ihre Nahrung). Sie zählen zu den fakultativ pathogenen (nicht zwingend krank machenden) Erregern. Es sind vor allem die von den Hefepilzen erzeugten Toxine (Gifte), die pathogen sind.

Im Darm und im Magen, wo sie oft jahrelang unbemerkt leben, können sie, sobald bestimmten Umstände eintreten, krank machende Formen annehmen. Auch auf verschiedenen Schleim- häuten und der Haut können sie Krankheiten bewirken, im Mund (Mundsoor bei Säuglingen und Kleinkindern), im Genitalbereich (z.B. Vaginitis), auf der Haut (Windeldermatitis, Haut- und Fußpilz). All diese Infektionen sind oft erste Anzeichen einer möglichen intestinalen Candidose.

Die Candida-Hefen sind sehr anpassungsfähig. Sie haben gelernt, sich dem Immunsystem zu entziehen oder sich zu wehren. Zur „Tarnung“ bilden sie Biofilme (dreidimensionale Zellschichten), unter denen sie sich für das Immunsystem unkenntlich machen oder seinen Angriffen standhalten. Einige Candida-Hefen schaffen es sogar, in Wirtszellen der Darmschleimhaut einzudringen, um sich dort, gut versteckt, zu vermehren (vgl. Deutsches Ärzteblatt, 2009, 106/ 51-52).

 

Wie entstehen Candida-Infektionen und wie verbreitet sind sie?

Über die Hälfte der Bevölkerung ist, so haben Untersuchungen ergeben, mit Hefepilzen infiziert. Die Stärke des Befalls variiert jedoch sehr. Diese Variationsbreite ist wohl auch ein Grund dafür, warum eine Infektionen bei dem einen weitgehend beschwerdefrei abläuft und bei einem anderen verschiedene Erkrankungen bewirkt. Im Normalfall hält das Immunsystem eines Organismus den Pilz unter Kontrolle. In erster Linie besorgt das eine ausgewogene Bakterienflora im Darm.

Bild CandidoseDurch andauernden Stress oder durch die vermehrte Einnahme starker Medikamente verändert sich die Zusammensetzung der Bakterien der Darmflora, das Immunsystem wird geschwächt. Werden starke Antibiotika häufig eingenommen, kann das empfindliche Gleich- gewicht gestört werden. Umweltgifte und auch Schwermetalle (Blei, Quecksilber, Cadmium, Kupfer), wie sie auch in alten Zahnfüllungen (Amalgam) vorkommen, fördern das Pilzwachstum. Kranke und belastete Milieus werden von den Pilzen zu rasantem Wachstum genutzt. Steigt die Dichte stark an (oft bis zu eine Million Keime pro Gramm Stuhl), so vergiften die Candida-Hefen den Körper.

Untersuchungen haben gezeigt, dass pathogene Hefen im Darm bis zu siebzig verschiedene Stoffwechselgifte und Fuselalkohole erzeugen Diese entstehen im Hefestoffwechsel beim Abbau von Kohlehydraten. Diese Toxine stellen auf Dauer eine starke Belastung für alle Organe, besonders der Leber, dar.

 

Durch welche Symptome äußert sich eine Candida-Infektion?

Wenn man weiß, dass Candida-Hefen Haut, Schleimhäute, Magen und Darm besiedeln können, dann ahnt man schon, wie vielfältig die daraus sich ergebenden Erkrankungen sein können.

Offensichtlich, und deshalb leicht festzustellen, sind Infektionen der Haut und Schleimhaut. Infektionen zeigen sich in lokal nässenden, schuppenden und oft juckenden Hautekzemen. Die sind zwar lästig, aber in aller Regel gut zu behandeln. Schwieriger sind Infektionen des Darms festzustellen. Stuhlproben können wichtige Hinweise geben. Ist der Pilz erst einmal in einem Organismus und bietet dieser ihm ein günstiges Milieu, so bedarf es einer gezielten Behandlung, um ihn wieder loszu- werden.
Seit den 90er-Jahren ist bekannt, dass Candida albicans mit dem Auftreten von Allergien eng zusammenhängt. Neurodermitis, Heuschnupfen und andere atopische (zu Überempfindlichkeit neigende) Erkrankungen gehen oft mit einer vermehrten Belastung eines Organismus durch Candida-Hefen einher. Das Auftreten von Allergien kann durch solche Belastungen begünstigt werden. Der Pilz dient als „allergischer Triggerfaktor“ (Deutsches Ärzteblatt 2009; 106/51-52).

Heute wird auch wieder das sogenannte Reizdarmsyndrom mit intestinalem Candidabefall in Beziehung gebracht. Frühere Studien, die diesen Zusammenhang zu widerlegen schienen, werden inzwischen wieder in Frage gestellt. Auch Nahrungsmittelunvertäglichkeiten, Gelenkbeschwerden und Erkrankungen aus dem rheumatischen Formenkreis werden seit einiger Zeit mit der Candida-Infektion in Verbindung gebracht.

Die Toxine der Hefepilze können sich auch psychisch auswirken: ständige Müdigkeit, depressive Verstimmung, Gereiztheit und Nervosität, Konzentrationsmangel, Schwindelgefühl.

Bei der Breite und der Fülle der Symptome besteht die Gefahr, die Hefepilze für allerlei „Zivilisationskrankheiten“ verantwortlich zu machen. Ich rate zu Folgendem: Haben alle „normalen Untersuchungen“ der Beschwerden keinerlei Befund erbracht, haben die Blutlaborwerte mal wieder „nichts ergeben“, oder wurde gesagt: „damit müssen sie jetzt leben“, dann lohnt es sich allemal, nach den heimlichen Mitbewohnern zu schauen.

Wie schon angekündigt, in der nächsten Ausgabe der „Naturheilkundlichen Perspektiven“ (in vier Wochen am 12. März) werde ich auf folgende Fragen eingehen: Wie kann ich feststellen, ob eine intestinale Infektion vorliegt? Was kann ich vorbeugend unternehmen? Welche Möglichkeiten der naturheilkundlichen Behandlung gibt es?

 

 

Intestinale Candidose – eine Infektion mit vielen Gesichtern (Teil 2)

In der letzten Ausgabe der naturheilkundlichen Perspektiven habe ich beschrieben, was Candida-Pilze sind, wie sie entstehen und was sie im menschlichen Organismus bewirken können. Heute möchte ich über Diagnose und Therapie reden. Wie kann man eine Candida-Infektion feststellen und was kann man dagegen tun?

 

Diagnose der Infektion

Drei Diagnosearten werde ich trennen: Krankheitssymptome, Labornachweise und naturheilkundliche Testverfahren.

Krankheitssymptome:
Es gibt einige Symptome, die auf eine Candida-Infektion hinweisen können. Störungen der Verdauung: Blähungen, Durchfall, Verstopfungen. Psychische Symptome: gehäuft unkonzentriert, müde, abgeschlagen, gereizt, vergesslich. Erhöhte Anfälligkeiten: ständig wiederkehrende Blasenentzündungen, Stirnhöhlenentzündungen, Gelenkbeschwerden. Besondere Gelüste: Heißhunger auf Süßes.

Labornachweise:
Blutuntersuchungen: Enthält das Blut einschlägige Antikörper, d. h. Stoffe, die der Abwehr von Pilzinfektionen dienen, so ist dies ein Hinweis auf eine Infektion. Züchtungen auf Nährböden: Es werden Abstriche gemacht und auf Nährböden aufgetragen. Man beobachtet dann, ob die fraglichen Hefepilze auf diesen Nährböden wachsen. Stuhluntersuchungen: Wie hoch ist die Pilzbelastung im Darm? Es wird die Anzahl der Keime pro Gramm Stuhl bestimmt. Wird eine kritische Grenze überschritten? Da jeder Pilz auch Gifte erzeugt (s. Teil 1) ist der Organismus bei einer hohen Konzentration stark belastet.

Bei allen Laboruntersuchungen sollte beachtet werden, dass die Candida-Pilze sich im Organismus „verstecken“ können, z. B. in der Darmschleimhaut (s. Teil 1). Man braucht zum sicheren Diagnostizieren Geduld. Hat man einen Infektionsverdacht und ergab sich bei der ersten Untersuchung kein entsprechender Befund, so kann man eine zweite Untersuchung nachschieben, um die diagnostische Sicherheit zu erhöhen.

Naturheilkundliche Testverfahren:
Da die Naturheilkunde den Candida-Infektionen seit jeher große Beachtung schenkt (s. Teil 1), hat sie eine ganze Reihe empfehlenswerter Testverfahren entwickelt: angewandte Kinesiologie, Irisdiagnostik und Vegatest. Mit der Dunkelfeldmikroskopie/Vitalblutanalyse lassen sich Belastungen, die die Pilze bzw. deren Gifte für andere Organe bedeuten, diagnostizieren. Ferner ist es möglich, im Vitalblut unter dem Mikroskop Pilze aufzuspüren, die bereits ins Blut abgewandert sind. Und schließlich eignet sich die Dunkelfeldmikroskopie/Vitalblutanalyse dazu, zu prüfen, ob das Immunsystem ausreichend leistungsfähig ist, um der Infektion erfolgreich entgegenzuwirken.

 

Vorbeugende Maßnahmen

Hier kann es nur um Denkanstöße gehen. Er geht dabei um unsere Ernährung. Wir leben im Überfluss. Wir können wählen und wir sollten wählen. Wählen wir zu viel oder wählen wir falsch, so können wir uns krank essen.

Ich komme hier nicht drum herum, über den Zucker zu sprechen. Hefepilze ernähren sich von Zucker. Er ist ihre Hauptnahrung, aber er ist auch ihre Achillesferse. Es gibt verschiedene Formen des Zuckers. Wir kennen sie alle: Trauben-, Frucht-, Hauhalts- und Malzzucker. Sie unterscheiden sich durch den Bau ihrer Moleküle. Ihnen ist gemeinsam, dass sie Energie liefern.

Früher wurde bei Candida-Infektionen oft empfohlen, die genannten Zucker möglichst strikt zu meiden. Inzwischen ist man etwas vorsichtiger. Entzieht man den Hefepilzen abrupt ihre Hauptnahrungsquelle, so können sie unter Umständen aggressive Formen annehmen, vermehrt Gifte ausscheiden oder in die Darmschleimhaut eindringen und ins Blut übergehen.

Ernährungsumstellungen sind wichtig und gut, doch sollten sie sorgfältig und langsam vollzogen werden. Man sollte sich auf stärke- und ballaststoffreiche Vollwertkost umstellen, Zucker reduzieren. Eine Sonderstellung unter den Zuckern nimmt der Milchzucker (Laktose) ein. Er kann von Hefen sehr schlecht verdaut werden, wohl aber von den wichtigen, immunstärkenden Bakterien der Darmflora.

Allgemein lässt sich Folgendes empfehlen: Essen Sie stärkehaltige Kohlehydratlieferanten (z. B. Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Vollkornbrot), Gemüse und Obst (möglichst aus biologischem Anbau). Auch Lebensmittel, die probiotische Kulturen enthalten (z. B. Naturjoghurt, Sauermilchprodukte, auch Sauerkraut), sind zu empfehlen. Und versuchen Sie Ihren Zuckerkonsum allmählich zu reduzieren. Sie werden dann bald merken, um wie viel intensiver der gelegentliche Genuss einer „süßen Sache“ ist.

Eine Ernährungsumstellung ist ein durchaus beachtlicher Eingriff in den Organismus eines Menschen. Um gefährliche Übertreibungen, Einseitigkeiten oder Mängel zu vermeiden, sollten Sie sich von einem/r kundigen Heilpraktiker/in beraten lassen.

 

Behandlung einer Infektion

Was der Vorbeugung dient, ist auch ein Mittel der Behandlung: Ernährungsumstellung. Liegt eine Candida-Infektion vor, so sollte die therapeutische Diät mit einem/r Heilpraktiker/in gründlich besprochen werden. Er/sie kann dann das Ausmaß der Infektion erheben und ihren Verlauf beobachten, um daraufhin gezielt diätetisch zu reagieren.

Liegt eine intensive Infektion vor (z. B. überkritische Keimkonzentration im Stuhl), so reicht eine Ernährungsumstellung alleine oft nicht aus. Der/die Heilpraktiker/in wird dann zu weiteren Behandlungsmaßnahmen greifen.

Sanierung des Darms:
Bei einer Candida-Infektion ist in der Regel das Bakteriengleichgewicht in der Darmflora gestört (s. Teil 1). Ursächlich dafür können auch starke Medikamente sein (Antibiotika, Cortison). Um hier regulierend einzugreifen, stellt die Naturheilkunde vielerlei Mittel zur Verfügung (z. B. Verabreichen probiotischer Bakterienkulturen). Wichtig ist den Körper vor der Darmsanierung zu entgiften. Zur Entgiftung gibt es verschiedene, probate homöopathische Komplexmittel.

Immunsystem stärken:
Wird die körpereigene Abwehr gestärkt und mobilisiert, so kann der Organismus von sich aus die Candida-Infektion eindämmen und zurückdrängen. Die Stärkung des Immunsystems ist geradezu ein Schwerpunkt naturheilkundlicher Behandlungen, getreu dem Hippokratischen Leitspruch: „Die natürliche Heilkraft in jedem von uns, ist die größte Kraft, um wieder gesund zu werden“. Viele Mittel stehen dem/der Heilpraktiker/in zur Verfügung, um diese natürliche Heilkraft zu unterstützen.

Homöopathie:
Auf dem Prinzip der Stärkung der Selbstheilungskräfte fußt auch die homöopathische Behandlung. Als sehr wirksam haben sich bestimmte homöopathische Präparate (in Form von Tropfen, Salben oder Zäpfchen) erwiesen. Sie basieren z.B. auf potenzierten Hefepilzen.

Wie stets, wenn es eine Fülle von Möglichkeiten gibt, sollte man nicht gleichsam im Selbstversuch an sich herumprobieren, sondern sich einem/r kundigen Heilpraktiker/in anvertrauen. Er/sie kann die Behandlung dann ganz gezielt auf die so wichtige genaue Diagnose hin abstellen. Und er/sie kann den Verlauf der Behandlung überwachen, um gegebenenfalls therapeutische Maßnahmen zu variieren. Kein Mensch gleicht dem anderen. Dies sollte auch jede Behandlung im Auge behalten und beachten.

 

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Jan Laucken, Heilpraktiker
Käsenbachstraße 18, 72076 Tübingen
Telefon 07071-9204311
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