Borreliose — Möglichkeiten naturheilkundlicher Behandlung

   
 

Vorab möchte ich sagen, dass ich lange darüber nachgedacht habe, ob ich einen Artikel zu dem genannten Thema schreiben soll oder nicht. Die Borrelioseerkrankung ist so facettenreich, dass sich daran zweifeln lässt, ob man ihr in dem hier verfügbaren Rahmen gerecht werden kann. In meiner Praxis bin ich aber in der letzten Zeit oft daraufhin angesprochen worden, so dass ich mich entschieden habe, über einige, mir wichtig erscheinende Aspekte der Borreliose zu schreiben.

 

Die Lyme-Borreliose ist die häufigste Erkrankung, die in der nördlichen Hemisphäre durch Zecken übertragen wird. Sie ist nach der Stadt Lyme in den USA benannt, wo im Jahre 1975 die Borreliose erstmals in Form einer rheumatischen Arthritis in Erscheinung trat. Die Borrelien sind schraubenförmige Bakterien. Sie sind Meister der Tarnung. Und die klinischen Symptome einer Borrelieninfektion sind recht unspezifisch. Eine genaue und verlässliche Diagnose ist immer noch recht schwierig. Selbst bei der Verwendung moderner Untersuchungsmethoden liegt die Quote der Fehldiagnosen (im negativen, wie im positiven Sinne), vor allem in der frühen Phase einer Infektion, bei 50%. Hinzu kommt noch, dass es schwer möglich ist, eine frische von einer alten Infektion zu unterscheiden. Dadurch wird die Erfolgskontrolle von Behandlungen immens erschwert.

 

Was weiß man vom Verhalten der Borreliosebakterien?

Die Borrelien sind sehr wandlungsfähige Bakterien. Dies betrifft nicht nur ihre Form, sondern auch ihren Aufenthaltsort. Sie halten sich nur kurze Zeit im Blut auf, danach wandern sie ins Gewebe, wo sie sich verkapseln oder auch in ihrer Form verändern. Die Formveränderungen machen die Borrelien für das Immunsystem schwer auffindbar. Die Ortsveränderungen beeinträchtigen die Behandlungs- und die Nachweismöglichkeiten. Im Blut sind die Borrelien durch Antibiotika am leichtesten zu erreichen.

 

Was zeigt sich bei einer Infektion?

Nach einem Zeckenbiss kann es (das kann einige Tage dauern) zu grippeähnlichen Symptomen kommen. Besonders aufschlussreich ist das Auftreten einer Hauterscheinung, die „Wanderröte“ (Erythema migrans) genannt wird. Es ist dies eine langsam sich ausbreitende Hautrötung in Form eines Ringes, der sich zunehmend (nach außen wandernd) vergrößert. Dieser Ring kann sich nach Tagen, manchmal aber auch erst nach Wochen zeigen. Er ist ein Leitsymptom für eine Borrelioseinfektion. Aber: All die genannten Symptome und Zeichen können auch fehlen. Eine Borrelioseerkrankung durchläuft üblicherweise verschiedene Stadien: Im ersten Stadium (die Erreger halten sich noch im Blut auf) hat die infizierte Person in der Regel Muskel-, Kopf- und Gliederschmerzen. Eventuell begleitet von mäßigem Fieber. Die Person fühlt sich müde und sie ist weniger leistungsfähig. Im zweiten Stadium (die Erreger haben sich bereits in verschiedenen Geweben eingenistet) sind es oft nicht die Bakterien selbst, die der infizierten Person zu schaffen machen, sondern die Gifte, die die Bakterien erzeugen und die sich im Körper ausbreiten. Im dritten Stadium zeigen die Gifte ihre somatischen und psychischen Wirkungen: Kopfschmerzen, rheumatische Beschwerden (Muskel-, Nervenschmerzen, Gelenkentzündungen), ständige Abgeschlagenheit, Konzentrationsprobleme.

Ist die Borrelioseerkrankung trotz einer medikamentösen Behandlung in ein chronisches Stadium übergegangen (man spricht vom Post-Lyme-Syndrom), so sind es in der Regel folgende Symptome, die den Beschwerdekomplex ausmachen: Schmerzen im Skelett- und Muskelsystem, Parästhesien (Empfindungsstörungen), andauernde Müdigkeit und Abgeschlagenheit, auffällige Leberwerte.

 

Bild Borreliose

 

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Im akuten Stadium einer Infektion (also in den ersten Wochen nach der Infektion), wenn sich die Borreliosebakterien noch im Blutsystem befinden, ist eine ärztliche Behandlung mit Antibiotika angezeigt. Zwar ist bekannt, dass die Borreliosebakterien Antibiotika widerstehen können, doch sollte man die Chance, ihnen so den Garaus zu machen, nutzen.

Die naturheilkundlichen Behandlungsmöglichkeiten erstrecken sich auf zwei Bereiche: komplementärmedizinische und naturheilkundlich-ganzheitliche Behandlung.

Komplementärmedizinische Behandlung:
Sie geschieht vor allem im ersten Stadium der Erkrankung, begleitend zur Akutbehandlung mit Antibiotika. In diesem Stadium gilt es den infizierten Organismus zu unterstützen und die Nebenwirkungen der Behandlung durch Antibiotika zu mildern. Es gibt eine Vielzahl pflanzlicher Arzneien, die gegen die Borreliose eingesetzt werden. Bekannt ist vor allem die Kardenwurzel. Sie wirkt antitoxisch und stärkt die Nieren- und Leberfunktionen. Eine unangenehme Begleiterscheinung des Einsatzes von Antibiotika ist die Zerstörung der Darmflora. Dies zeigt sich z.B. in Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung, Magenschmerzen, Sodbrennen. Der Wiederaufbau einer gestörten Darmflora ist eine bewährte naturheilkundliche Behandlung.

In einer vier bis sechs Wochen dauernden Kur nehmen die Patienten/innen verschiedene Formen oder Stämme von Laktobazillen (lebende, probiotische Kulturen) in Pulverform ein. Die Laktobazillen helfen dem Organismus dabei, die Darmflora wieder aufzubauen und ins Gleichgewicht zu bringen.

Naturheilkundlich-ganzheitliche Behandlung:
Diese Behandlung unterstützt den Organismus nicht nur während des Akutstadiums der Erkrankung, sondern auch in den Stadien danach, auch dann, wenn die Erkrankung bereits chronisch geworden ist. Ziel aller Behandlungsmaßnahmen ist es, die durch die Borreliosebakterien erzeugten Gifte, die sich in verschiedenen Geweben des Organismus angesammelt oder festgesetzt haben, ab- und auszuleiten. Speziell, um dieses Ziel zu erreichen, sind in den letzten Jahren wirksame homöopathischen Komplexmittel erstellt wurden. So hat sich etwa ein von Dr. O. Ploss entwickeltes Entgiftungs- und Ausleitungsverfahren bewährt. Es dient der Drainage des Bindegewebes, wodurch die dort abgelagerten Neurotoxine der Bakterien ausgeschwemmt werden. Zusätzlich lassen sich verschiedene Nosoden verabreichen. Nosoden sind krankmachende Stoffe (z.B. produziert von Borreliosebakterien), die, wenn sie homöopathisch aufbereitet und potenziert werden, die entsprechenden Widerstandskräfte des Organismus aktivieren.

Behandlungskontrolle: Die sog. Dunkelfeldmikroskopie / Vitalblutanalyse eignet sich, die bakterielle Belastung eines Organismus sichtbar zu machen (vgl. dazu Tübingen im Fokus, Ausgabe vom 13. März 2009), wodurch der Behandlungsverlauf und sein Erfolg kontrolliert werden können.

 

Wie kann man vorbeugen?

Leider nehmen die regionale und die jahreszeitliche Ausbreitung der Zecken zu. Sie werden ab 7 bis 8 Grad aktiv. Die Klimaerwärmung wirkt auch hier. Die beste Vorbeugung ist der Schutz vor Zeckenbissen. Wenn ich mit meiner Familie Spaziergänge durch Wälder und Wiesen mache, was wir ganz regelmäßig tun, dann suchen wir uns zu Hause wechselseitig gründlich nach den kleinen kriechenden Spinnentierchen ab und schütteln die Kleidung vor dem Haus gründlich aus. Die Zecken haben die Angewohnheit, den Körper nach geeigneten Plätzen abzusuchen. Dazu brauchen sie in der Regel einige Zeit, so dass häusliche Absuchaktionen Zeckenbissen meist zuvorkommen. Sollte sich ein Zecke dennoch festgebissen haben, so entferne man sie umsichtig und in aller Ruhe mit einer geeigneten Zeckenzange (in jeder Apotheke zu haben) und beobachte die Bissstelle ausreichend lange. Sollte sich um die Bissstelle ein zunehmend größer werdender roter Ring bilden, so suche man einen Arzt oder eine Ärztin auf.

So, jetzt sollten wir aber alle raus in die schöne Natur gehen und die kommenden Sommermonate genießen.

 

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Jan Laucken, Heilpraktiker
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